Glossar
Die folgenden Erläuterungen dienen der einheitlichen Nutzung der einzelnen Begriffe im Rahmen des Projekts Lehrplan 21. Das Glossar erhebt dabei kein Anspruch auf allgemeine Gültigkeit oder Vollständigkeit.
Allgemeinbildende Schulen
Fachmittelschulen und gymnasiale Maturitätsschulen sind allgemeinbildende Schulen auf der Sekundarstufe II.
Auftrag des Zyklus
Der Auftrag des Zyklus definiert, an welchen Kompetenzstufen in diesem Zyklus verbindlich gearbeitet werden muss.
Basisstufe
Die Basisstufe ist ein Schulmodell, welches den Kindergarten und die ersten beiden Primarschuljahre verbindet.
In der Basisstufe werden Kinder von vier bis acht Jahren gemeinsam nach individualisierten Zielsetzungen unterrichtet (siehe auch Grundstufe).
Berufsbildende Schulen
Berufsfachschulen und Berufsmaturitätsschulen sind berufsbildende Schulen der Sekundarstufe II.
Bildungsbereich
Im HarmoS-Konkordat wird die Grundbildung in die fünf Bildungsbereiche Sprachen, Mathematik und Naturwissenschaften, Sozial- und Geisteswissenschaften, Musik, Kunst und Gestaltung sowie Bewegung und Gesundheit aufgeteilt.
Bildungsraum Nordwestschweiz
Im Bildungsraum Nordwestschweiz arbeiten die Regierungen der Kantone Aargau, Basel-Landschaft, Basel-Stadt und Solothurn an der gemeinsamen Weiterentwicklung ihrer Bildungssysteme.
Bildungsstandards (Oberbegriff)
Es gibt viele Formen von Bildungsstandards. Das HarmoS-Konkordat sieht zwei Arten von Bildungsstandards vor, die wissenschaftlich entwickelt und validiert werden sollen. Das können entweder Standards sein, welche die zu erreichenden Kompetenzen vorgeben (so genannte Leistungsstandards), oder Standards, die inhaltliche Vorgaben für einen Fachbereich festlegen oder Umsetzungsbedingungen definieren.
BKZ
BKZ ist die Abkürzung für die Bildungsdirektoren-Konferenz Zentralschweiz.
D-EDK
D-EDK ist die Abkürzung für die Deutschschweizer Erziehungsdirektoren-Konferenz.
EDK
EDK ist die Abkürzung für die Schweizerische Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren.
EDK-Ost
EDK-Ost ist die Abkürzung für die Erziehungsdirektoren-Konferenz der Ostschweizer Kantone und des Fürstentums
Liechtenstein.
EDK-Regionalkonferenzen
Die kantonalen Erziehungsdirektionen sind auf regionaler Ebene in vier Regionalkonferenzen organisiert (Bildungsdirektoren-Konferenz Zentralschweiz BKZ, Erziehungsdirektoren-Konferenz der Ostschweizer Kantone und des Fürstentums Liechtenstein EDK-Ost, Inter-kantonale Erziehungsdirektorenkonferenz der französischen Schweiz und des Tessins CIIP sowie die Nordwestschweizerische Erziehungsdirektorenkonferenz NW EDK).
Fachbereich
Die Fachbereiche des Lehrplans 21 werden aus den Bildungsbereichen des HarmoS-Konkordats abgeleitet. Der Begriff Fachbereich ist thematisch breiter gedacht als der Begriff des Fachs.
Förderplanung
Mit der Förderplanung, die aus Standortbestimmung, Zielsetzung, Massnahmenplanung und Überprüfung besteht, können Kinder analog zum Trainingsplan in Sport oder Musik in ihrer Entwicklung unterstützt werden.
Grundstufe
Die Grundstufe ist ein Schulmodell, welches den Kindergarten und das erste Primarschuljahr verbindet. In der Grundstufe werden Kinder von vier bis sieben Jahren gemeinsam nach individualisierten Zielsetzungen unterrichtet (siehe auch Basisstufe).
Harmonisierung
Mit der Harmonisierung ist die interkantonale und nationale Angleichung der Bildungsziele und Schulstrukturen gemeint.
HarmoS-Konkordat
HarmoS-Konkordat ist die Kurzbezeichnung für die „Interkantonale Vereinbarung über die Harmonisierung der obligatorischen Schule“ vom 14. Juni 2007, in welchem sich die Kantone auf wichtige Eckwerte der obligatorischen
Schule verständigen (Schuleintrittsalter, Schulpflicht, Dauer und Ziele der Bildungsstufen und deren Übergänge).
Implementierung
In der Phase der Implementierung führen die Kantone den Lehrplan 21 ein.
Ist-Analyse
Im Sommer 2007 wurden alle Stundentafeln der 21 Projektkantone analysiert, indem der Pflicht- und Wahlpflichtbereich der neun obligatorischen Schuljahre erhoben und ausgewertet wurden.
Kompetenz
Nach dem Pädagogen Franz E. Weinert umfassen Kompetenzen Fähigkeiten, Fertigkeiten und Wissen, aber auch Bereitschaften, Haltungen und Einstellungen, über die Schülerinnen und Schüler verfügen müssen, um neuen Anforderungssituationen gewachsen zu sein. Der Lehrplan 21 stützt sich auf diesen Kompetenzbegriff.
Kompetenzaufbau
Im Lehrplan 21 wird zu jeder Kompetenz der Kompetenzaufbau dargestellt. Er wird in aufeinander aufbauenden Stufen beschrieben. In der vorgängigen Kompetenzstufe erworbene Fähigkeiten / Fertigkeiten und Themen / Kenntnisse sind die Grundlage für die nachfolgende Kompetenzstufe. Im Kompetenzaufbau können unterschiedliche Arten von Progression enthalten sein. Ein Kompetenzaufbau kann sich über einen, zwei oder drei Zyklen erstrecken.
Kompetenzbereiche
Die Fachbereiche werden in Kompetenzbereiche gegliedert. Kompetenzbereiche können auf Fähigkeiten / Fertigkeiten oder Themen / Kenntnisse ausgerichtet sein.
Kompetenzorientierung
Mit der Kompetenzorientierung wird der Blick verstärkt auf die Anwendbarkeit von Kenntnissen, Fähigkeiten und Fertigkeiten gerichtet. Der Erwerb einer Kompetenz bzw. der Grad der Erreichung zeigt sich in der Art und Weise der erfolgreichen Bewältigung einer Aufgabe.
Kompetenzstufen
Die Kompetenzstufen sind Teil des Kompetenzaufbaus. Sie bauen aufeinander auf. Die Anzahl der Kompetenzstufen ist variabel.
Lehrplan
Lehrpläne sind Dokumente zur Regulierung von Unterricht, in denen Bildungsvorstellungen und Ziele des Unterrichts festgelegt werden.
Lehrplan 21
Der Lehrplan für die deutsch- und mehrsprachigen Kantone der Schweiz wird als Lehrplan 21 bezeichnet.
Mindestanspruch
Der Mindestanspruch ist diejenige Kompetenzstufe, die spätestens bis zum Ende des jeweiligen Zyklus von allen Schülerinnen und Schülern (ausgenommen sind Schülerinnen und Schüler mit angepassten Lernzielen) erreicht werden muss. In Mathematik, Fremdsprachen, Schulsprache und Naturwissenschaften orientiert sich der Mindestanspruch am Basisstandard des Projekts HarmoS.
NW EDK
NW EDK ist die Abkürzung für die Nordwestschweizerische Erziehungsdirektorenkonferenz.
Pflichtbereich
Pflichtbereiche sind diejenigen Fachbereiche, deren Besuch für alle Schülerinnen und Schüler einer Schulstufe obligatorisch ist.
Planungsannahmen
Die Planungsannahmen zur Verteilung der Zeit sind Rahmenvorgaben für die Fachbereichteams und beschreiben, mit welchem Zeitbudget pro Fachbereich und Zyklus in etwa zu rechnen ist. Dieser Orientierungsrahmen soll es ermöglichen, die Ziele pro Fachbereich und Zyklus realistisch zu setzen. Planungsannahmen sind keine Stundentafeln.
PISA-Studie (Programme for International Student Assessment)
Die PISA-Studie ist eine internationale Studie der OECD zum Vergleich von Schulleistungen in Lesen, Mathematik, Naturwissenschaften und Problemlösen.
Primarstufe
Die Primarstufe umfasst gemäss HarmoS-Konkordat die ersten acht Schuljahre, inklusive zwei Jahre Kindergarten. Die Primarstufe wird von allen Kindern gemeinsam besucht.
Projekt 4bis8 der EDK-Ost
Das Projekt 4bis8 ist ein Schulentwicklungsprojekt der EDK-Ost, das sich mit der inhaltlichen und organisatorischen Neuausrichtung der Schuleingangsstufe befasst. In Schulversuchen werden Grund- und Basisstufe erprobt. Am Projekt sind auch die übrigen Deutschschweizer Kantone beteiligt.
Projekt HarmoS
Das Projekt HarmoS der EDK umfasst die Erarbeitung eines Schulkonkordats sowie die Entwicklung von nationalen Bildungsstandards und bezweckt die Harmonisierung von Bildungszielen und Schulstrukturen für die obligatorische Schule.
Projekt Nahtstelle obligatorische Schule – Sekundarstufe II
Im Projekt Nahtstelle obligatorische Schule – Sekundarstufe II von EDK, Bund sowie Organisationen der Arbeitswelt wird der Übergang von der obligatorischen Schule in die nachobligatorische Ausbildung (Sekundarstufe II) unter die Lupe genommen. Dabei sollen der Anteil der Abschlüsse auf Sekundarstufe II bis 2015 auf 95 Prozent erhöht, Lehrstellenwechsel, Schulwechsel oder Wartejahre vermieden und Problemgruppen früh unterstützt werden.
Projekt Passepartout
Mit dem Projekt Passepartout koordinieren die Kantone Basel-Landschaft, Basel-Stadt, Bern, Freiburg, Solothurn und Wallis die Vorverlegung und qualitative Verbesserung des Fremdsprachenunterrichts.
Schülerinnen und Schüler mit besonderem Bildungsbedarf
Für Schülerinnen und Schüler mit besonderem Bildungsbedarf werden die Anforderungen des Lehrplans an ihre individuellen Lernvoraussetzungen / Leistungsmöglichkeiten angepasst.
Schulkonkordat
Mit dem Konkordat über die Schulkoordination vom 29. Oktober 1970 haben sich die Kantone verpflichtet, ihre Schulgesetze an vereinbarte Eckwerte betreffend Schuleintrittsalter, Schulpflicht, Ausbildungsdauer bis zur Matur sowie Schuljahresbeginn anzupassen. Dem Konkordat gehören alle Kantone an, mit Ausnahme des Kantons Tessin.
Sekundarstufe I
Die Sekundarstufe I schliesst an die Primarstufe an und dauert bis zum Ende der obligatorischen Schulzeit. Die Kantone nehmen nach der Primarstufe in der Regel eine Selektion vor und weisen die Schülerinnen und Schüler verschiedenen Schultypen zu.
Sekundarstufe II
Die Sekundarstufe II ist eine an die obligatorische Schulzeit anschliessende Schulstufe. Zur Sekundarstufe II gehören allgemeinbildende (Fachmittelschulen und Gymnasien) und berufsbildende Schulen.
Sprachenstrategie
Im Strategiepapier vom 25. März 2004 verständigt sich die EDK auf gemeinsame Zielsetzungen für den Sprachenunterricht in der obligatorischen Schule und legt einen Arbeitsplan für die gesamtschweizerische Koordination der Vorverlegung des Fremdsprachenlernens fest.
Stufenbeschreibung
Die Stufenbeschreibung zeigt auf, was die Schülerinnen und Schüler auf der jeweiligen Kompetenzstufe können. Sie stellt dar, welche bestimmte Ausprägung eine Kompetenz auf dieser Stufe innerhalb des Kompetenzaufbaus hat.
Stundentafel
In der Stundentafel wird festgelegt, wie viele Stunden pro Woche (allenfalls pro Jahr oder Zyklus) die Schülerinnen und Schüler in einem Fachbereich unterrichtet werden. Die Stundentafeln werden von den Kantonen festgelegt.
Überfachliche Kompetenzen
Überfachliche Kompetenzen sind personale, soziale und methodische Kompetenzen, die in allen Fachbereichen ausgebildet werden. Sie sind als generalisierte Erträge der Auseinandersetzung mit fachkulturellen Inhalten zu verstehen.
Überfachliche Themen
Überfachliche Themen nehmen wichtige gesellschaftliche Entwicklungen auf und vermitteln dazu zentrale Fähigkeiten und Inhalte. Sie werden in mehreren Fachbereichen ausgebildet.
Vielfalt
Vielfalt entsteht durch individuelle Unterschiede, die durch die soziale Herkunft, das Geschlecht, Fremdsprachigkeit etc. entstehen.
Vorläuferfertigkeiten
Der Begriff Vorläuferfertigkeiten wird in der Kindergarten- und Unterstufendidaktik verwendet, um Fertigkeiten zu umschreiben, die Kinder z.B. im Bereich der phonologischen Bewusstheit, des räumlichen Vorstellungsvermögens oder des Zahlenbegriffs erwerben und die für den Erwerb von Lesen, Schreiben und Rechnen Voraussetzung sind.
Wahlpflichtbereich
Der Wahlpflichtbereich umfasst eine Gruppe von Unterrichtsangeboten, aus denen Schülerinnen und Schüler eines oder mehrere auswählen und anschliessend obligatorisch besuchen müssen. Mit der verpflichtenden Wahlmöglichkeit werden die Schülerinnen und Schüler zu einer gewissen Schwerpunktsetzung angehalten.
Zyklen
Der Lehrplan unterteilt die obligatorischen Schuljahre in drei Zyklen. Die ersten beiden Zyklen umfassen jeweils vier Jahre bis zum Ende des 2. bzw. des 6. Schuljahres (bzw. des 4. und 8. Schuljahres nach dem HarmoS-Konkordat), der dritte Zyklus beschreibt die letzten drei Schuljahre.
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